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ART-MEDIA ACADEMY

Der Imagefilm ist tot? Lang lebe der Imagefilm! Wie man ihn heute modern und wirksam gestaltet.

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Januar 8, 2026
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Wenn wir bei Art-Media in den letzten Jahren Pitch-Anfragen bekommen haben, stand da oft ein Satz ganz oben im Briefing:

"Wir wollen auf gar keinen Fall so einen klassischen, langweiligen Imagefilm."

Und wissen Sie was? Ich kann es verstehen. Der klassische Imagefilm der 2000er Jahre war ein Fest der Klischees:

  • Ein Drohnenflug über das Firmengebäude (bei dem man meistens nur graue Flachdächer sieht).
  • Ein Handschlag zwischen zwei Männern im Anzug in Zeitlupe.
  • Ein Sprecher, der mit salbungsvoller Stimme Dinge sagt wie: "Innovation aus Tradition" oder "Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt".
  • Dazu orchestrale Musik, die klingt, als würde man gerade die Welt retten, obwohl man eigentlich nur Schrauben herstellt.

Wenn das gemeint ist, dann ja: Der Imagefilm ist tot. Und wir sollten froh darüber sein.Als führende Filmproduktion für modernes Corporate Storytelling haben wir den klassischen 'Gebäude-Drohnenflug' längst beerdigt.

Aber das Format an sich ist lebendiger und wichtiger denn je. Es hat sich nur radikal gewandelt. Unternehmen brauchen immer noch ein zentrales Video, das erklärt, wer sie sind und wofür sie stehen. Aber heute nennen wir es "Brand Movie" oder "Manifesto", und es folgen völlig andere Regeln.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie ein moderner Imagefilm aussieht, der nicht nur das Ego des CEOs streichelt, sondern echtes Employer Branding betreibt und Kunden emotional bindet.

Warum wir keine Hochglanz-Fassaden mehr sehen wollen

Das Internet hat uns zu Skeptikern erzogen. Wir riechen "Werbesprech" zehn Kilometer gegen den Wind. Wenn ein Unternehmen behauptet, "perfekt" zu sein, glauben wir ihm nicht.

Die Währung von heute ist nicht mehr Perfektion, sondern Authentizität. Ein moderner Imagefilm zeigt nicht die polierte Oberfläche, sondern den Maschinenraum. Er zeigt echte Menschen, echte Leidenschaft und vielleicht sogar echte Herausforderungen.

Warum? Weil Menschen von Menschen kaufen, nicht von Logos. Ein moderner Film muss eine "Identifikationsfläche" bieten. Wenn ich sehe, dass bei Ihnen echte Typen arbeiten, die für ihren Job brennen, vertraue ich Ihnen eher als einer Firma, die mir nur Stock-Footage von lächelnden Models zeigt.

Die 3 Säulen des modernen "Brand Movie"

Wie verwandeln wir also das angestaubte Format in ein wirksames Marketing-Tool? Indem wir drei alte Regeln brechen.

1. Story statt Chronologie

Der alte Weg: "1950 gegründet, 1980 erweitert, heute Weltmarktführer." (Gähn). Der neue Weg: Storytelling. Wir erzählen eine Geschichte. Vielleicht die Geschichte eines Kunden, dessen Problem Sie gelöst haben. Oder die Geschichte eines Mitarbeiters, der eine verrückte Idee hatte, die heute Ihr Bestseller ist. Zahlen und Daten gehören in den Geschäftsbericht. In den Film gehören Werte und Emotionen.

  • Frage: Was ist Ihr "Warum"? Warum stehen Ihre Leute morgens auf? Das ist der Stoff für den Film.

2. Charakter statt Statisten

Verstecken Sie Ihre Mitarbeiter nicht hinter Skripten. Lassen Sie sie reden. Aber bitte keine auswendig gelernten Sätze ("Ich arbeite gerne hier, weil das Klima so toll ist"). Ein guter Regisseur führt Interviews, die in die Tiefe gehen. Wir wollen das Funkeln in den Augen sehen, wenn ein Ingenieur über sein Projekt spricht. Das ist das beste Employer Branding, das Sie kriegen können. Wenn Bewerber sehen: "Wow, da arbeiten coole Leute, die Bock haben", ist das wirksamer als jede "Wir suchen dich"-Anzeige.

3. Mut zur Kante

Unternehmen haben oft Angst, jemanden auszuschließen. Also wird die Botschaft so weichgespült, bis sie niemandem mehr wehtut – aber auch niemanden mehr berührt. Ein moderner Imagefilm darf polarisieren. Er darf sagen: "Wir sind Nerds." oder "Wir sind nichts für jeden." Das schafft Profil. Profil schafft Anziehungskraft bei den richtigen Kunden (und Bewerbern).

Der "Hero's Journey" Fehler

Ein fundamentaler Fehler, den wir in der Filmproduktion immer wieder korrigieren müssen: Das Unternehmen sieht sich selbst als den Helden der Geschichte. "Schaut her, wie toll wir sind. Wir haben die besten Maschinen. Wir haben den besten Kaffee."

Im modernen Storytelling drehen wir das um.

  • Der Held ist Ihr Kunde (oder bei Recruiting-Filmen: der Bewerber).
  • Das Ziel ist das Problem des Kunden, das gelöst werden muss.
  • Ihre Rolle ist die des Mentors (wie Yoda oder Gandalf). Sie geben dem Helden das Werkzeug (Ihr Produkt), um sein Ziel zu erreichen.

Wenn Sie einen Imagefilm machen, in dem Sie sich nicht selbst feiern, sondern zeigen, wie Sie Ihre Kunden zu Gewinnern machen, ändert sich alles. Der Zuschauer fühlt sich verstanden, nicht belehrt.

Technische Evolution: Dynamik statt Statik

Auch visuell hat sich die Videoproduktion weiterentwickelt. Die Zeiten der statischen Stativ-Kamera, die starr in den Raum filmt, sind vorbei. Wir leben im Zeitalter von Netflix und TikTok. Unsere Sehgewohnheiten sind dynamischer geworden.

  • Bewegung: Die Kamera ist fast immer in Bewegung (Gimbal, Slider, Drohne), selbst bei Interviews. Das hält die visuelle Aufmerksamkeit hoch.
  • Sound Design: Ton ist 50% des Films. Statt generischer Dudel-Musik nutzen wir Sound Effects (SFX) – das Zischen der Maschine, das Tippen auf der Tastatur, das Klackern der Absätze. Das macht den Film physisch spürbar ("immersiv").
  • Schnitt: Der Rhythmus ist schneller. Wir schneiden auf den Takt. Wir nutzen "Match Cuts" (visuelle Übergänge).

Ein moderner Imagefilm muss nicht aussehen wie Hollywood, aber er darf nicht aussehen wie "Tagesschau 1995".

Fazit: Ihr Film ist Ihr kultureller Fingerabdruck

Der Tod des klassischen Imagefilms ist die beste Nachricht für Ihr Marketing. Er befreit Sie von dem Zwang, langweilig sein zu müssen. Sie müssen keine Gebäude mehr zeigen (die gibt's auf Google Maps). Sie müssen keine Chronik vorlesen (die steht auf der Website).

Sie haben jetzt die Freiheit, das zu zeigen, was Ihr Unternehmen wirklich ausmacht: Seinen Geist. Seine Kultur. Seine Menschen. Ein solcher Film ist mehr als Werbung. Er ist ein kultureller Fingerabdruck. Er hilft Ihnen im Vertrieb, weil er Vertrauen schafft. Und er ist die stärkste Waffe im Employer Branding, weil er Talenten zeigt: "Hier willst du hingehören."

Die 3 wichtigsten Take-aways:

  1. Seien Sie echt, nicht perfekt: Tauschen Sie Hochglanz-Fassaden gegen echte Einblicke. Authentizität schafft Vertrauen.
  2. Werden Sie zum Mentor: Erzählen Sie nicht, wie toll Sie sind, sondern wie toll Sie Ihre Kunden machen.
  3. Nutzen Sie modernes Storytelling: Brechen Sie die Regeln. Seien Sie mutig, schnell und emotional. Langeweile ist das größte Risiko für Ihr Budget.

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Über den Autor

Paul1

Paul Meschuh ist mehrfach ausgezeichneter Regisseur, Produzent und Geschäftsführer der Art-Media Filmproduktion. Er verbindet kreatives Storytelling mit harten Business-Zielen.

Als Vorsitzender des Berufsgruppen-Ausschusses Bildungs, Wirtschafts & Werbefilm setzt er sich aktiv für Qualitätsstandards in der Filmwirtschaft ein. Seine filmischen Arbeiten sind international prämiert und in der Fachdatenbank Crew United gelistet. Er gilt als Vordenker für strategisches Video-Marketing in Österreich (siehe ÖsterreichWiki) und berät Unternehmen dabei, Videocontent als strategisches Investment zu nutzen.

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Film- & TV Produktion in Wien. Wir produzieren: Imagefilme, Werbefilme, Spots, Lehrfilme, Livestreams, Wirtschaft- & Industriefilme für Kino, TV und Social Media.

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